Nachbericht Infotag Textil und Tierschutz

 

 

 

 


 

DTB & BSI Infotag Textil & Tierschutz am 31.05.2017 in München

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Der gemeinsamen Einladung des DTB & BSI folgten relevante Stakeholder, um in einen offenen und ehrlichen Dialog zum Thema Tierwohl zu treten.

Im thematischen Fokus standen Probleme, Lösungen und Entwicklungen der Gewinnung und Ersetzung tierischer Produkte, mit dem Schwerpunkt auf Daunen und Wolle. Neben informativen Vorträgen lag ein Schwerpunkt auf dem Austausch von Erfahrungen sowie kritischer Fragen, die alle Teilnehmer aufgeschlossen beantworteten.

Alternativen zur Daune am Beispiel Freudenberg comfortemp®

Zur Einführung seines Vortrags verdeutlichte Herr Kaminski der Firma Freudenberg Performance Materials Apparel SE & Co. KG den aktuellen Daunen & Federnverbrauch von 160 Millionen Tonnen an einem Bild: diese Zahl entspricht dem Volumen der Hälfte des Mittelmeers. Als Alternative zur Daunenfüllung stellte er Freudenbergs neueste Entwicklungen des comfortemp® Sortiments vor. In diesem Zusammenhang betonte er die Vorteile synthetischer Fasern, weil diese laufend weiterentwickelt und verbessert werden können. Als besonders hervorzuheben sei der geringere CO2-Fußabdruck der Alternativen im Vergleich zum Gewinnungsprozess von Daunen.

Responsible Down Standard & Responsible Wool Standard // Tierwohlrichtlinie

Simone Seisl, Textile Exchange, verschaffte den Teilnehmern einen Überblick über den Entstehungsprozess, die beteiligten Akteure sowie Inhalte und Vorteile des Responsible Down Standards (RDS) und des Responsible Wool Standards (RWS). Bei beiden Standards handelt es sich um unab-hängige globale Standards, welche sich durch einen Multi-Stakeholder-Ansatz auszeichnen.

Der RDS wie auch der RWS ist eine Informationsquelle für die ganze Industrie zur Verbesserung der Haltungs-bedingungen und der gesamten Kette von der Farm bis zum Händler. Im Fokus stehen zum Wohl der Tiere die sogenannten „Five Freedoms“ von: Hunger und Durst – haltungsbedingten Beschwerden – Schmerz- Verletzungen und Krankheiten – Angst und Stress – Ausleben normaler Verhaltensmuster.

Die beiden Tierschützerinnen Hannah Zedlacher und Nina Jamal der Organisation 4 Pfoten präsentierten den neuen Status Quo und zeigten die relevanten Probleme und Missstände bei der Tierhaltung auf. Bereits seit Jahren zeigt sich eine positive Entwicklung, die aus dem immer kritischeren und bewussteren Konsumverhalten in der Gesellschaft resultiert. Immer mehr Brands setzen Statements indem sie sich klar gegen Daunen und Federn aus Betrieben, in denen Stopfmast praktiziert wird, aussprechen. Aus ihrer Sicht trägt dies zu einer Verbesserung der Brand Reputation bei und kann so als ein Teil des Risiko-Managements gesehen werden. Inzwischen hat sich auch die Durchführung unan-gekündigter Audits, die vor einigen Jahren noch als unmöglich galten, etabliert.

Diese Entwicklung verdeutlicht besonders, was die Branche erreichen kann, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen.
Dennoch betonten die beiden Referentinnen, dass es nach wie vor Missstände gibt. Ein Beispiel ist das „Mulesing“, welches immer noch auf vielen Farmen in einigen Ländern betrieben wird.

In ihrem zweiten Vortrag gingen die Referentinnen auf die Anforderungen und Schritte zur erfolgreichen Umsetzung unternehmerischer Tierwohlrichtlinien (TWR) ein. Bei Tieren handelt es sich um empfindsame Lebewesen, für die wir als „Human Beings“ die Verantwortung tragen. In der textilen Lieferkette spielen gerade die großen vier – Daunen, Leder, Wolle, Pelz – oft ergänzt um Seide eine große Rolle. Um eine TWR erfolgreich aufzusetzen steht eine genaue Analyse der verwendeten tierischen Produkten sowie eine Risikoeinschätzung am Anfang. Ferner sind vom Lieferanten Informationen wie „Welche Ware wird geliefert? Von welchem Tier stammt sie? Woher kommt die Ware? “ einzuholen. Besonders wichtig ist es jedoch eine TWR nicht nur aufzusetzen, sondern diese vor allem auch zu implementieren, betonten die Tierschützerinnen.

Pelztierhaltung mit Schwerpunkt Pelzgewinnung auf finnischen Pelzfarmen

Jan Peifer und Denise Weber vom deutschen Tierschutzbüro e.V. bei denen der Schwerpunkt in der Massentierhaltung und Pelzzucht liegt, stellten zu Beginn zwei ihrer Kampagnen als Beispiel vor: Schweinehochhaus schließen! Und Pelzpolizei fahndet! Zunächst zeigten die beiden Tierschützer die Tierarten sowie die Anzahl der zur Pelzgewinnung gehaltenen Tiere auf. Die meisten dieser Tiere sind von Natur aus Einzelgänger und benötigen als Wildtiere viel Raum. Die Verhältnisse der Käfig– und Massenhaltung stellen somit das grundlegende Gegenteil zu ihrem benötigten Lebensraum dar. Bei der Frage der Akzeptanz von Pelz in der Gesellschaft erklärten sie, dass diverse Umfrageergebnisse die rückgängige Nachfrage widerspiegeln: Die Konsumenten möchten keinen Pelz mehr und haben in diesem Bezug eine „Zero Tolerance“. Da viele Befragungen ergaben, dass die Konsumenten oft unwissentlich Pelzprodukte kauften, fordern die Tierschützer vom Gesetzgeber eine detaillierte Kennzeichnung die folgende Informationen beinhalten soll:

  • Verwendete Tierart(en) mit zoologischer Bezeichnung und gebräuchlichen Artnamen (keine Fantasie-namen) in der Sprache des Landes, in dem das Produkt angeboten wird
  • Geographische Herkunft des Pelztieres
  • Wie das Fell gewonnen wurde (Art der Farmhaltung, Jagd)

Darüber hinaus appellieren sie an die Industrie ihr Fachpersonal so zu schulen, dass diese jederzeit in der Lage sind Echtpelz zu erkennen und im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Ethik eine Vorbildfunktion einzunehmen. In ihrem Fazit betonten die beiden, dass es keine Gründe mehr für das tragen von Pelzprodukten gibt und sie eine klare „Zero Tolerance Policy“ verfolgen und sich diese auch von anderen Stakeholdern wünschen.

Da an diesem Tag viel besprochen und diskutiert wurde und sich viele Prozesse noch in der Entwicklung befinden, wird es im Anschluss Folgegespräche geben, um eine Broschüre zum Thema Tierwohlrichtlinie zu erarbeiten und einen weiteren Infotag zu organisieren.